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Lesung: Jakob Springfeld im MCG am 15.04.2026

Demokratisches Engagement beginnt im Alltag

„Zwickau ist meine Hölle, Zwickau ist meine Heimat“, mit diesen Worten schließt der Autor Jakob Springfeld seine Lesung im Matthias-Claudius-Gymnasium in Gehrden. Er hat von seinem jahrelangen Protest gegen die rechtsextreme Szene berichtet, persönlich und eindrücklich.

Der Autor Jakob Springfeld in der Aula des MCG
Der Autor Jakob Springfeld in der Aula des MCG

Die 180 Schülerinnen und Schüler haben ihm aufmerksam gelauscht, dann herrscht Stille und schließlich gibt es großen Beifall für den jungen Autor. Gerade 24 Jahre alt ist er und beschreibt intensiv, wie er sich mit anderen jungen Menschen gegen die Umtriebe von Neonazis in seiner Heimatstadt gestellt hat. Auslöser für sein Engagement waren die von rechtsextremen Gruppen organisierten sogenannten „Spaziergänge“ in seiner Heimatstadt mit denen Hass gegenüber Geflüchteten geschürt werden sollte. Springfeld, der mit einem gleichaltrigen Afghanen befreundet war, spürte unmittelbar, wie Menschen abgewertet und diskriminiert wurden. Er setzte sich fortan für Geflüchtete ein, erinnerte an die Taten der in Zwickau ansässigen Rechtsterroristen des NSU und unterstützte die Klimaschutzaktivitäten seiner Generation. Die Folgen sind seitdem Drohungen, Verfolgungen und körperliche Angriffe durch Neonazis in seiner Heimatstadt, die er ebenfalls in seinem Buch mit dem Titel „Unter Nazis“ beschreibt.

Greta Henze, Lehrkraft MCG mit Autor Jakob Springfeld, Christian Schmidt, Direktor MCG, Barbara Mussack und Heidrun von Bötticher, beide Initiative für Demokratie Gehrden
Greta Henze, Lehrkraft MCG mit Autor Jakob Springfeld, Christian Schmidt, Direktor MCG, Barbara Mussack und Heidrun von Bötticher, beide Initiative für Demokratie Gehrden


Die Idee zur Lesung kam von der Initiative für Demokratie in Gehrden und den Omas gegen Rechts in Barsinghausen. Gemeinsam gelang es, Springfeld für eine Lesung mit Diskussion in Gehrden und Barsinghausen zu gewinnen. Die Schulleitung des MCG und der Verein der Eltern und Freunde unterstützten das Vorhaben in Gehrden. „Uns hat beeindruckt, dass er als Jugendlicher und nun als junger Erwachsener die Augen aufmacht für das, was in seiner Umgebung geschieht. Er schaut hin, wenn Menschen beleidigt und benachteiligt werden, wenn Menschen nach ihrer Herkunft oder ihrer sozialen Lage in Gute und Schlechte unterteilt werden und wenn Gewalt in Sprache und Taten um sich greift,“ erläutert Barbara Mussack von der Initiative.

Auch Schulleiter Christian Schmidt lobt die gelungene Veranstaltung: „Die Lesung von Jakob Springfeld war für unsere Schülerinnen und Schüler eine eindrucksvolle und wichtige Erfahrung. Sie hat gezeigt, dass Demokratie nicht abstrakt ist, sondern im Alltag beginnt – dort, wo Menschen hinschauen, Haltung zeigen und Verantwortung übernehmen. Als Schule ist es unser Auftrag, junge Menschen zu ermutigen, sich einzumischen, respektvoll zu streiten und für die Werte unserer freiheitlichen Gesellschaft einzustehen. Die große Aufmerksamkeit und die engagierten Fragen der Jugendlichen machen Mut und zeigen, wie wichtig solche Begegnungen für die politische Bildung und das gesellschaftliche Engagement sind.“

Viele Fragen richteten die Schülerinnen und Schüler des 11. und 12. Jahrgangs in der Diskussionszeit an den Autor und sie brachten auch eigene Erfahrungen ein: Die Besorgnis zum Beispiel, wenn sich Freunde auf sozialen Netzwerken nur noch in Verschwörungswelten bewegten. Oder wie es sich anfühlt, immer wieder Blicken ausgesetzt zu sein, weil man selbst von der Norm abweicht.

Auch Ideen zur Stärkung demokratischen Bewusstseins kamen zur Sprache. So sollten Kinder und Jugendliche in Schulen stärker mitbestimmen dürfen um demokratische Debatten und den Umgang mit gegensätzlichen Meinungen üben zu können, lautete ein Vorschlag.

Viele Schülerinnen und Schüler zeigen sich beeindruckt von den persönlichen Erfahrungen des jungen Autors und den schlimmen Erfahrungen mit Rechtsextremisten. Sie fragen, ob er sich wieder engagieren würde, hätte er die Folgen gekannt. „Ja, auf jeden Fall, sonst würde ich mich ohnmächtig fühlen. Das wäre schlimmer.“ Orte für Engagement gebe es viele, sei es bei der Feuerwehr, im Verein, bei der Tafel. Wichtig sei nur den Mund aufzumachen, wenn Menschen herabgesetzt würden, formulierte er seine Empfehlung.

Jako Springfeld liest aus seinem Buch „Unter Nazis“
Jako Springfeld liest aus seinem Buch „Unter Nazis“

Aussstellung: LK Kunst vom MCG – Objektblickwinkel

Vom. 08.05. bis zum 01.07.2026 werden unter dem Titel „Objektblickwinkel“ Schülerarbeiten des Leistungskurses Kunst der 12. Jahrgangsstufe des Matthias-Claudius-Gymnasiums (MCG) gezeigt. Zur Eröffnung der Ausstellung laden wir am 10. Mai um 11 Uhr ein. Mit der Eröffnung wird auch das 10-jährige Jubiläum des MGT gefeiert.

Die Ausstellung ist auch am So, 31.05.2026 von 13 bis 16.00 Uhr während der Veranstaltung FahrKulTour geöffnet.

Zur Ausstellung:
Die Betrachtung eines Objekts kann aus einem kreativen Blickwinkel sehr komplex und verwirrend sein: Wenn wir es drehen, ändert es seine Struktur, neue Ebenen kommen ins Blickfeld, einzelne Formen stauchen sich im Raum. Bei bestimmter Lichteinstrahlung wirkt ein Objekt besonders dreidimensional, dann wieder fast platt. Kommt nun auch noch der menschliche Geist hinzu – Assoziationen und kreative Ideen – können sich Objekte zu wirklich spannenden Fokussen entwickeln.
Der Kunst-LK hat sich zum Oberthema „Bild der Dinge“ mit der Abstrahierung von Gegenständen beschäftigt: Angefangen bei einfachen Zerlegungen und surrealen Veränderungen ist der Kurs schließlich in das komplexe Feld des Kubismus vorgedrungen. Vorübungen und Skizzen, die diesen Prozess begleitet haben, sind in der Ausstellung „Objektblickwinkel“ genauso zu sehen wie die Endprodukte: Hier falten sich Porsches zusammen und ganze Straßenzüge gleich mit; Schlüssel werden fragmentierend in den Raum gespiegelt, bis sich bizarre „Schlüssel-Architekturen“ ergeben; ein schnöder Tuschkasten verwandelt sich in ein kaleidoskopartiges Wimmelbild aus Dreiecksformen.
Die Ausstellung soll Ihnen – neben der Freude an schönen und spannenden Bildern – einen Eindruck von einem Teil der Arbeit in der Kunst-Oberstufe vermitteln: Vom Herantasten, Überdenken und Konkretisieren, eben dem, was man einen „kreativen Schaffensprozess“ nennt.
Lennart Wallrodt
Leiter des Kunst-LKs

 

Pimp Your Town – SchülerInnen entwickeln konkrete Ideen für Gehrden

Mehr Wasserspender und Bänke in der Stadt – bessere Ausstattung der Schulen

Hände hoch für Demokratie. 75 Schülerinnen und Schüler stimmen über ihre Anträge in einer "Ratssitzung" im Bürgersaal ab

Hände hoch für Demokratie. 75 Schülerinnen und Schüler stimmen über ihre Anträge in einer „Ratssitzung“ im Bürgersaal ab

Junge Menschen können viel bewirken
„Pimp your town“ heißt das kommunalpolitische Planspiel, an dem jeweils zwei achte Klassen des Matthias-Claudius-Gymnasiums und der Oberschule Gehrden teilgenommen haben. Ausgerichtet hatte es die Initiative für Demokratie Gehrden gemeinsam mit der Stadt. „Uns ist wichtig, dass junge Menschen verstehen, wie unsere Demokratie funktioniert und wie sie ganz konkret hier in der Stadt Gehrden praktiziert wird“, begründet Barbara Mussack von der Initiative das Projekt. „Wir hoffen, dass ihr gemerkt habt, dass ihr auch selbst Verantwortung übernehmen könnt, dass ihr mitmachen könnt“, ermunterte sie die Jugendlichen zum Abschluss der drei intensiven und arbeitsreichen Tage.

Ausschusssitzung: Letzter Schliff für die Anträge. Der Bildungsausschuss tagt im Rathausfoyer. Unterstützung bekommen die Jugendlichen von Michael Passior, SPD-Fraktionsvorsitzender im Rat

Ausschusssitzung: Letzter Schliff für die Anträge. Der Bildungsausschuss tagt im Rathausfoyer. Unterstützung bekommen die Jugendlichen von Michael Passior, SPD-Fraktionsvorsitzender im Rat

Crashkurs in Kommunalpolitik
Am Anfang stand ein Crashkurs in Kommunalpolitik; der Theorie folgte jedoch sehr schnell die Praxis. Was wünschen sich junge Leute, was vermissen sie und wie könnte man das Leben in Gehrden verbessern? Da purzelten die Ideen, Argumente flogen hin und her, es wurde bewertet und gewichtet, bis zu guter Letzt 15 Vorschläge zu Anträgen ausformuliert und begründet worden waren. Ganz so, wie es in den Ratsfraktionen und Fachausschüssen in echt auch passiert. Am Ende stand eine fiktive Ratssitzung, in der über zwölf Anträge diskutiert und abgestimmt wurde; neun Anträge wurden angenommen und drei abgelehnt.

Bürgermeister Malte Losert (rechts) und Ratsvorsitzender Heinrich Möller begrüßen die Teilnehmenden von Pimp your town im Bürgersaal.

Bürgermeister Malte Losert (rechts) und Ratsvorsitzender Heinrich Möller begrüßen die Teilnehmenden von Pimp your town im Bürgersaal.

Highlight zum Schluss: die fiktive Ratssitzung
Gut zwei Stunden hat die Sitzung gedauert und den Teilnehmenden eine Menge Konzentration abverlangt. Auch das wie im richtigen Leben, wie Heinrich Möller, der Vorsitzende des Gehrdener Rates, aus seiner Erfahrung berichtete. Er hatte die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit mehreren Ratskollegen bereits am Vortag intensiv begleitet und zum Abschluss die fiktive Ratssitzung geleitet. Ebenso mit dabei Gehrdens Bürgermeister Malte Losert. „Ich bin begeistert von dem gesamten Projekt“, so sein Fazit. Er will dafür sorgen, dass die angenommenen Anträge in den Ratsausschüssen behandelt werden und die Schülerinnen und Schüler eine Rückmeldung bekommen, was aus ihren Ideen geworden ist.

Positives Echo bei den Jugendlichen
Und wie fanden die Jugendlichen das Angebot? Ganz überwiegend sehr interessant oder zumindest ein bisschen interessant, wie eine Fragebogenaktion zum Abschluss ergab. Die meisten haben das Gefühl, jetzt mehr darüber zu wissen, wie Kommunalpolitik funktioniert. Auch ihre Beteiligungsmöglichkeiten bewerteten die meisten als gut. Vor allem die Diskussionen und die Ratssitzung fanden ein positives Echo. Immerhin 18 der jungen Teilnehmenden hat der dreitägige Workshop dazu motiviert, sich später vielleicht selbst in einer Partei oder im Jugendparlament zu engagieren.

Neuauflage gewünscht
Große Zustimmung fand das Projekt darüber hinaus bei den beteiligten Schulen. „Ich freue mich über die gute Beteiligung der Schülerinnen und Schüler. Sie wurde mit jedem Tag besser“, sagte MCG-Schulleiter Christian Schmidt und wünscht sich eine jährliche Wiederholung.
Diese wird allerdings davon abhängen, ob eine Neuauflage finanziert werden kann. Dieses Mal hatten sich neben der Stadt die Germerott-Stiftung sowie die Lotto-Sport-Stiftung engagiert, um die professionelle Organisation durch den Verein „Politik zum Anfassen“ zu ermöglichen. Der Verein hat „Pimp your town“ erfunden und führt das Planspiel seit rund 15 Jahren bundesweit in vielen Kommunen durch.

 

Stefan Fourier liest aus seinen Novellen

Am Freitag, 30. Januar 2026 um 19 Uhr findet im MGT eine Lesung statt. Stefan Fourier begibt sich bei seinen Novellen in den Grenzbereich zwischen Fiktion und Wirklichkeit, weil sich das Leben nun mal genau zwischen den „objektiven Realitäten“ und den Wahrnehmungen davon abspielt.
Seine Lesung beschreibt er als einen vergnüglich-ernsten Dialog
über die wichtigsten Dinge im Leben.

Dabei geht es um Fragen, die viele Menschen bewegen:

  • Was ist Glück und wo finden wir es?
  • Wo bist Du – im Gestern, Heute oder Morgen?
  • Was tun, wenn das Schicksal zuschlägt?
  • Der Sinn des Lebens – wo ist er?
  • Wer sind wir ohne „die Anderen“?
  • Körper/Seele/Geist – über Leben und Sterben.

Stefan Fourier arbeitet als Schriftsteller, schreibt Bücher, Essays und Kolumnen. Nachdem er in den zurückliegenden Jahren hauptsächlich über Management und Führung veröffentlicht hat, widmet er sich heute besonders Themen, die Menschen in ihrem Inneren umtreiben.
Mehr Infos auf: https://fourier.de/

Es wird um eine Platzreservierung gebeten. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

29. Oktober 2025, Parteiverbote in Deutschland. Auch gegen die AfD?

Auf lebhaftes Interesse stieß der Vortrag von Wilfried Gaum, Lehrbeauftragter für Staatsrecht, zum Thema Parteiverbote. Anhand zurückliegender Verbotsverfahren erläuterte Gaum, welche Anforderungen das Bundesverfassungsgericht stellt, um ein Parteiverbot zu erlangen.Artikel 21 des  Grundgesetzes ermöglicht Parteiverbote und auch den Ausschluss von staatlicher Finanzierung. Welche Kriterien erfüllt sein müssen, um ein Verbot zu rechtfertigen, lasse sich aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2017 im Verfahren gegen die NPD ableiten, erläuterte Gaum.

Wilfried Gaum und Barbara Mussack


Dieses Urteil stecke heute den Rahmen dafür ab. Demnach sei ein Verbot nur dann denkbar, wenn sich eine Partei planvoll gegen Demokratie, Rechtsstaatlichkeit oder Menschenwürde richte. Ob dies auf die AfD zutreffe bzw. ausreichend belegt werden kann, ist nach Einschätzung des Referenten aktuell schwer abzuschätzen, Skepsis sei angebracht.  In der Diskussion waren sich die Gäste insofern einig als dass das „Geschenk in unserer Demokratie zu leben“, intensiver in der Öffentlichkeit formuliert werden muss. Der heutige Wohlstand, die individuellen Freiheiten, die Rechtsstaatlichkeit seien das Ergebnis gelebter Demokratie und dürften nicht von Negativ-Parolen überdeckt werden.

14. September 2025: Aktion zum Tag der Demokratie

Zum Internationalen Tag der Demokratie, den die Vereinten Nationen seit 2007 ausrufen, war die Initiative für Demokratie erneut auf dem Gehrdener Marktplatz präsent. Wir luden mit Spielen, Kaffee und Kuchen zum Mitmachen ein. Unser Ziel: mit den Bürgerinnen und Bürgern über Demokratie und ihren Wert für uns alle zu sprechen.  Als Publikumsmagneten erwiesen sich das selbst gebaute übergroße Jenga mit wesentlichen Begriffen aus der demokratisch geprägten Gesellschaft und ein ebenfalls selbst gebautes Glücksrad, bei dem Flaggen erraten werden mussten. Große Würfel forderten zum Nachdenken und zum Gespräch heraus. Viele Passanten interessierten sich für unsere Themen und waren bereit zum Gedankenaustausch. Die meisten teilten die Besorgnis über demokratiefeindliche Tendenzen in unserer Gesellschaft, viele zeigten sich besonders beunruhigt über den andauernden Krieg Russlands gegen die Ukraine und die derzeitige Unberechenbarkeit der US-amerikanischen Regierung. 

21. Juni 2025: Lasst uns miteinander reden!

Unter diesem Motto stellte die Initiative für Demokratie Tische in der Gehrdener Fußgängerzone auf und lud ein zu Gesprächen und Spiel. Aus großen beschrifteten Jenga-Hölzern konnten Kinder und Erwachsene einen möglichst hohen und stabilen Demokratie-Turm errichten. Stürzt er ein, wenn „Gleichheit“, „Toleranz“ oder „Rechtsstaat“ herausgezogen werden? Übrigens: ganz oben auf dem Turm landete häufig das Holz mit der Aufschrift „Liebe“.


Mit übergroßen Würfeln, die Fragen aufwarfen, kam die Initiative mit vielen weiteren Marktbesuchern ins Gespräch. Wo begegnet dir im Alltag Solidarität? Mit wem redest du über Gerechtigkeit? lauteten einige der Fragen. Ein intensiver und nachdenklicher Austausch gelang.

14. Mai 2025: Das Grundgesetz in unsicheren Zeiten

Das Grundgesetz in unsicheren Zeiten – was wir verteidigen müssen und wo die Gefährdungen liegen. So lautete der Titel vom Vortrag und Diskussion mit Wilfried Gaum, Jurist und Lehrbeauftragter für Staatsrecht in Hannover
Im Mai 1949 trat unser Grundgesetz in Kraft. Im Vortrag von Wilfried Gaum wurde deutlich, dass die Mütter und Väter des Grundgesetzes nach den Erfahrungen mit der nationalsozialistischen Diktatur eine Verfassung schufen, die die Menschenwürde und die Grundrechte der Bürgerinnen und Bürger schützen will und die Stabilität des demokratischen Staates sichern soll. 76 Jahre später gefährden jedoch autoritäre Bestrebungen, vor allem durch Rechtsextreme, diese Ordnung. Der Jurist zeigte die Gefährdungen auf sowie Wege unser Grundgesetz und damit unsere Demokratie zu schützen. In der lebhaften Diskussion wurde herausgearbeitet, dass die großen Freiheiten, die das Grundgesetz jeder Bürgerin und jedem Bürger zusichert von extremen Kräften missbraucht werden. Das Verbot extremistischer Parteien, sollte nach Auffassung vieler Diskutanten genutzt werden, bevor diese unsere Demokratie unterwandern. Ein interessanter und erkenntnisreicher Abend.

Nicht schweigen – erinnern!


Eine literarisch-musikalische Reise am 10. Mai 2025 zur Erinnerung an die Bücherverbrennung 1933

Am 10. Mai 1933 verbrannten und verboten die Nazis Bücher von Erich Kästner bis Heinrich Mann. Mit einem musikalisch-literarischen Programm erinnerte das Trio Sonant auf Einladung der Demokratieinitiative Gehrden an das barbarische Geschehen. 50 Zuhörerinnen und Zuhörer zeigten sich am Samstagabend, den 10. Mai 2025, tief bewegt von der Aufführung im Jugendpavillon. „Das muss man erst einmal verdauen“, sagte eine Besucherin im Anschluss.

Das Trio Sonant: Susanne Reerink, Aurelia Martens und Guntram Sellinger (v. li)

Lodernde Flammen gegen freies Denken

An den Anfang stellte das Trio die Aufzählung so bekannter Namen wie Bertolt Brecht, Rose Ausländer, Nelly Sachs, Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Franz Werfel, Theodor Lessing, Franz Kafka und Erich Maria Remarque. 94 deutschsprachige und 37 ausländische Autorinnen und Autoren wurden damals geächtet, ihre Bücher in vielen deutschen Städten öffentlich verbrannt – zu den eifrigsten Feuerteufeln gehörten nicht nur die üblichen Parteigänger der Nazis, sondern zahlreiche „gebildete“ Hochschulangehörige.

Texte von Verlust und Trauer

Wie gingen die betroffenen Schriftsteller damit um, welche Folgen hatte das Verbot für ihr Leben, wie verarbeiteten sie die Bedrohung? In den nachfolgenden Texten aus ihren Werken, die Susanne Reerink sehr feinfühlig und prägnant vortrug, ist alles zu spüren: Unsicherheit, Ungläubigkeit, Verlust, Abschied, Fremdheit, Heimweh und Trauer, aber auch Unbeschwertheit, Freude über das Leben und die unberührte Natur. „Einst mir so freundlich und mir so feindlich heute!“, lässt Bertolt Brecht ein Pferd in „Oh, Fallada, die du hangest“ über die Leute klagen, die ihm früher Futter brachten und jetzt das Fleisch von den Rippen reißen wollten. „Plötzlich waren sie wie ausgewechselt“. Da wird sie sichtbar, die Gefahr, wenn jemand blind einer Ideologie folgt und vor lauter Hass jede Menschlichkeit vergisst.

Verbrennt mich

„Verbrennt mich“, forderte hingegen der bayerische Schriftsteller, Sozialist und Pazifist Oskar Maria Graf in einem Brief an die Machthaber, als er seinen Namen nicht auf der Schwarzen Liste entdeckte. Er fand es ehrenrührig, nicht zu den Geächteten zu gehören, waren unter ihnen doch die größten Freigeister und bekanntesten Autoren seiner Zeit. Wie sich später herausstellte, stand er sehr wohl auf der Liste, allerdings wurde er aufgrund eines Missverständnisses zugleich von den Nazis zur Lektüre empfohlen.

Im Exil

Viele der unter den Nazis verfolgten Schriftsteller flohen ins Ausland oder nahmen sich das Leben. Wie einsam und verzweifelt sie waren, wird im Gedicht von Rose Ausländer deutlich. „Ein Tag im Exil, wo die Stunden sich bücken, um aus dem Keller ins Zimmer zu kommen“. „Wir haben keinen Freund auf dieser Welt. Nur Gott, den haben sie mir vertrieben“, heißt es bei Mascha Kaléko in „Überfahrt“.
In die Schwermut mischte sich zum Glück auch Heiteres, so dass das Publikum im Jugendpavillon zwischendurch aufatmen konnte. „Ich freue mich, dass ich bin“ schreibt Mascha Kaléko in „Sozusagen grundlos vergnügt“. Bei Ringelnatz heißt es: „Ich bin so knallvergnügt erwacht.
Ich klatsche meine Hüften. Das Wasser lockt. Die Seife lacht. Es dürstet mich nach Lüften.“ Oder auch: „Ich habe dich so lieb! Ich würde dir ohne Bedenken, eine Kachel aus meinem Ofen
schenken.“ Die Liebe gab den Verfolgten und Vertriebenen Halt.

Beeindruckende Aufführung in Wort und Klang

Mit Musik von ebenfalls verbotenen Komponisten umrahmten die drei Künstlerinnen und Künstler die Textpassagen. Aurelia Martens am Cello, Guntram Sellinger an der Trompete und Susanne Reerink mit Geige und Gesang spürten der jeweiligen Stimmung nach, melancholisch in den Präludien von Mieczyslaw Weinberg, beschwingt in Liebesfreud und Liebesleid von Fritz Kreisler und dramatisch im Vorspiel zu Richard Wagners Meistersingern. Sowohl im Solo- als auch im Zusammenspiel bewiesen die Drei überragende Qualität. Den umfangreichsten Part übernahm an diesem Abend Susanne Reerink, die alle Texte mit bemerkenswerter Klarheit sprach, Geige spielte und sang. Für ihr Lied der Seeräuber-Jenny aus Brechts Dreigroschenoper („Und das Schiff mit acht Segeln und mit fünfzig Kanonen wird beschießen die Stadt „) bekam sie einen Sonderapplaus.
Wie sehr sind heute eigenständiges Denken und freie Meinung gefährdet, fragt man sich angesichts von erschreckend lauten Parolen und Hasstiraden gegen Fremde und Andersdenkende. „Es ist geschehen, folglich kann es wieder geschehen“, warnte der italienische Schriftsteller und Auschwitz-Überlebende Primo Levi. Das Programm von Trio Sonant führte vor Augen, was damals passiert ist.
Fotos:
Aurelia Martens am Cello
Susanne Reerink spricht alle Texte
Profi an der Trompete -Guntram Sellinger
Das Trio Sonant: Susanne Reerink, Aurelia Martens und Guntram Sellinger (v. li)

Kreativ-Treff

Neues Angebot im MGT: Beginnend mit dem 10. März trifft sich jeden 2. Montag im Monat von 17-19 Uhr die Kreativgruppe im MGT, um gemeinsam zu häkeln, stricken, nähen, filzen und basteln. Es geht u.a. darum, Gegenstände herzustellen für den Verkauf bei Veranstaltungen des MGT.

Ansprechpartnerinnen: Waltraut Kuttig, 05108 6082526,
Jutta Ohlen, 0176 34509422