22.08.2026: Große Bühne für die Demokratie

Mitreden, mitmachen, informieren – das Angebot der Initiative für Demokratie Gehrden traf offenbar einen Nerv. Zu Hunderten bummelten am Samstag, den 22. August Jung und Alt über den Gehrdener Marktplatz. „Demokratie vor der Haustür“ hieß das Programm der Initiative, das von zahlreichen Vereinen, Organisationen und Parteien mitgestaltet wurde. Allen gemeinsam: Sie engagieren sich für eine demokratische, tolerante und vielfältige Stadt und ermöglichen Bürgerinnen und Bürgern sich zu beteiligen.

Dicht an dicht standen die Pavillons und Schirme auf dem gesamten Platz. „Wir wollen mit diesem Tag all diejenigen stärken, die sich konstruktiv für unsere Stadt und eine demokratische Gesellschaft in Gehrden einsetzen. Heute ist Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen,“ hieß es zur Begrüßung von der Demokratieinitiative. Das Publikum vor und hinter den Ständen ließ sich das nicht zweimal sagen – es wurde diskutiert und zugehört, gespielt und gelernt, geschlendert und geschaut.

Es stehen viele Aktionen auf dem Programm.
Programm
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Von Diskussion bis Spiel

Die Erwachsenen wollten wissen, wie Politiker sich eine attraktive Stadt vorstellen und pinnten parallel ihre eigenen Wünsche an die Wand. Dicht umlagert war der Informationsstand zur Kommunalwahl im September, wo die Demokratieinitiative das Wahlverfahren erläuterte. Dort waren die Musterwahlzettel zur Wahl der Ortsräte, des Stadtrats, der Regionsversammlung und zur Regionspräsidentschaft ausgehängt. „Die Menschen haben es sehr begrüßt, in Ruhe die Wahlzettel studieren zu können. In der Wahlkabine, so sagten viele, fühle man sich doch unter Druck zügig zu wählen, hier könne man sich Zeit lassen und einen Überblick gewinnen,“ berichtet Heidrun von Bötticher, die diesen Stand betreute.

Direkt daneben stellte sich das Jugendparlament vor und warb fürs Mitmachen. Beim Gehrden-Quiz rauchten die Köpfe, während die Kleinen mit den Clowns Spax und Manoli auf der Wiese neben der Kirche Blumen säten und verrieten, was sie selbst zum Wachsen brauchen. Die beiden Künstler waren vom Quartiertreff der KSG engagiert worden, der sich damit für Kinderrechte stark macht.

Für das Demokratiememory der Landfrauen mussten Begriffe wie Grundgesetz, Menschenrechte oder Hauptstadt gefunden werden, der Nabu warb für mehr Natur und lud zum Pflanzen ein. Kreativität war beim Mehrgenerationentreff gefragt, bei dem die Gäste gemeinsam an einem Bild für Gehrden malen und Freundschaftsbänder flechten konnten.

Lob für gute Atmosphäre

„Ich finde, es herrscht eine sehr angenehme, freundliche und aufgeschlossene Atmosphäre, sagt Irena (46), die mit ihren beiden Kindern gekommen ist. „Besonders gefällt uns die spielerische Herangehensweise. So durften wir am Stand des Quartierstreffs die für uns besonders wichtigen Werte der Demokratie auswählen und uns dazu austauschen. Die Kinder haben mit den Clowns über ihre Rechte als Kinder gesprochen und einen Wunsch für ihr Leben aufgeschrieben. Es ist gut und wichtig, dass hier ein Zeichen für unsere Demokratie gesetzt wird.“

Beim Dorfverein Lemmie 2020 redeten die Kinder beim japanischen Erzähltheater mit, als es darum ging „Wie Elvis die Demokratie“ erfand, während Jugendliche bei der Spielgemeinschaft Everloh-Ditterke paarweise antreten sollten: einer fürs Tore schießen, ein zweiter, um Fragen zu Toleranz und Fairness zu beantworten. Die Agenda 2030-Gruppe warb für die Einrichtung eines Nachhaltigkeitsbeirats, der den Ratsmitgliedern fachkundig zur Seite stehen soll, wenn es um ein zukunftsfähiges Gehrden geht. Über ihr bürgerschaftliches Engagement und die Möglichkeiten mitzuwirken, informierten die Bürgerstiftung und die Energiegenossenschaft Calenberger Land.

Politiktalk zur Kommunalwahl

Eine besondere Attraktion der Demokratieinitiative waren die Gesprächsrunden auf einer Bühne oberhalb des Wasserspiels, wo sich jede Stunde Vertreterinnen und Vertreter der sechs demokratischen Ratsparteien zum Talk zusammenfanden. Kritisch befragt von Moderator Dirk Wirausky erläuterten sie ihre Positionen zu lokalpolitischen Themen: bezahlbaren Wohnraum schaffen, Klima- und Hitzeschutz in der Stadt, Rettung für den Gehrdener Wald, gute Verkehrsverbindungen nach Hannover und zwischen den Ortsteilen, hochwertige Kitas und Schulen sowie mehr Bürgernähe. Die Bänke vor der Bühne waren durchweg gut besetzt, und es stellten sich doch unterschiedliche Positionen heraus. Einigkeit bestand bei der Abschlussrunde. Gefragt, wie sie weiterhin eine offene, respektvolle und demokratische Politik in Gehrden gewährleisten wollen, kam recht einhellig die Antwort: gemeinsam und mit Glaubwürdigkeit, Verantwortungs- und Kompromissbereitschaft.

Wer die auf der Bühne angerissenen Themen weiter diskutieren wollte, hatte dazu die Gelegenheit an den Ständen der demokratischen Parteien. Diane Redshaw nutzte dies für sich: „Ich war an den Ständen verschiedener Parteien und habe mich gut informiert – obwohl ich wahrscheinlich diesmal noch nicht wählen darf. Als gebürtige Kanadierin, die seit Jahrzehnten hier lebt und als Lehrerin gearbeitet hat, warte ich seit einem Jahr auf den Abschluss meiner Einbürgerung.“

Initiative sammelt und überreicht Bürgerwünsche

Zum Abschluss des Demokratiefestes überreichte die Demokratieinitiative die an ihrem Stand gesammelten Bürgerwünsche an die Parteien und Bürgermeister Malte Losert. Rund 120 Personen haben darüber abgestimmt, was für sie wichtig ist. Ergebnis: weniger versiegelte Flächen, den Gehrdener Wald klimagerecht umbauen und erhalten, und den Umstieg auf ÖPNV und Radverkehr fördern. Ebenfalls viele Befürworter fanden sich für ausreichend bezahlbaren Wohnraum und mehr Sitzgelegenheiten an Haltestellen. 66 weitere Einzelwünsche und Anregungen zeigen die große Resonanz. Man darf gespannt sein, ob der zukünftige Rat sich das zu Herzen nimmt.

Nach vier Stunden gingen Veranstalter und Gäste mit intensiven Eindrücken nach Hause. Zum Erfolg hat sicherlich auch das gute Wetter beigetragen und last but not least die hervorragende musikalische Begleitung durch Tiashu Chao und Guo Meixuan, beide in Gehrden tätig. Dank geht zudem an alle Mitwirkenden, die Calenberger Musikschule, die die Verstärkeranlage zur Verfügung gestellt hat, und viele andere helfende Hände.

„Der Aufwand hat sich gelohnt“, lautete die Bilanz der Demokratieinitiative, die die gesamte Aktion komplett ehrenamtlich und ohne öffentliche Mittel gestemmt hat.